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Das Spiel mit der Evolution - CRISPR

Der Name CRISPR könnte zu einem knusprigen Bio-Müsli passen. Das ist es aber nicht. Es geht um eine etwas komplexere Geschichte: Den Name Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats muss man als Laie zwei Mal lesen und versteht dann zunächst immer noch nur Bahnhof. Man sollte zu einem wissenschaftlichen Seminar bei den Biologen gehen. Warum sollten wir uns damit, im Rahmen einer Kolumne, beschäftigen? CRISPR ist ein verdammt mächtiges Instrument zur Erzeugung von genetisch veränderten Organismen. Wir sollten jetzt dringend einige Fragen stellen und Hürden aufbauen, sonst könnte die Zukunft unangenehm werden.

Versuchen wir, ohne in das Fachchinesisch zu verfallen, eine Annäherung. Es geht um die Entwicklung von molekularbiologische Techniken zur "Verbesserung" von Pflanzen, aber auch Tieren und schlussendlich Menschen. Die Genbastler nehmen sich natürliche Reparaturmechanismen der Zelle zum Vorbild, um Änderungen im Genom herbeizuführen. Die Werkzeuge dabei sind sogenannte genannter Gen-Scheren, um gezielte, punktgenaue Eingriffe in das Erbgut ein zu pflanzen. In diesem Rahmen können auch synthetisch hergestellte Erbgutabschnitte eingebracht werden. Genome-Editing heißt die Überschrift für die Möglichkeit, das Erbgut eines Lebewesens in Teilen neu zu schreiben oder zu rekonstruieren. Damit sollen beispielsweise Krankheiten geheilt werden.


Es geht aber auch eine Nummer grösser. Der Molekularbiologe George Church editierte 2015 mithilfe von Gentechnikwerkzeugen wie CRISPR mehr als ein Dutzend Gene des seit 4000 Jahren ausgestorbenen Wollhaarmammuts in Zellen von Elefanten hinein. Eine genetische Rekonstruktion der imposanten Tiere ist für Church ein naheliegendes Projekt, wie die Wiederbelebung eines Neandertalers. 2016 gelang es seinem Forscherteam durch massives Gen-Editing Schweine zu humanisieren, um verbesserte Möglichkeiten bei Organspenden für Transplantationen zu schaffen. Die Heilserwartungen des Blockbusters Jurrassic Park liegen hier nicht weit entfernt.


Was zunächst hilft sind die nüchternen wissenschaftlichen Einschätzungen. Das menschliche Genom folgt nicht der reinen Logik eines technischen Konstruktionsplans. Wenige Prozent kann man mit dem heutigen Stand der Technik nachbasteln. Der Rest bleibt in seiner Funktion bislang rätselhaft und wird von Experten als dunkle Materie der Biologie gekennzeichnet. Die Forscher sind folglich trotz der Sensationsmeldungen noch nicht so weit Gott spielen zu können. Sie versprechen aber das Heilen von Krankheiten und die Verbesserung der Nahrungsmittelproduktion. Dies ist auch nichts Neues unter dieser Sonne. Allerdings sind die möglichen Nebenwirkungen auf einer ganz anderen qualitativen Stufe anzusiedeln. Wenn im 19. Jahrhundert eine Dampfmaschine explodierte oder Flussschlamm durch zu viel Phosphatdünger ersetzt wurde, blieben die Folgen lokal begrenzt. Bei dem Nutzen von Kernenergie oder der massiven Verwendung von Produkten wie Glyphosat seit dem 20. Jahrhundert sind die Dimensionen der Folgen schon von einer anderen Qualität. Mit der Gentechnik, die Werkzeuge wie CRISPR einsetzt fummelt der Mensch mit dem Zeithorizont von wenigen Jahren an der Evolution herum, die einen Zeithorizont von 3,5 Milliarden Jahren hat und auch einen Plan hat. Dessen "Testreihen" liegen aber für uns im Verborgenen. Schon aus diesem Grund sollte das Motte heißen: Finger weg.


Gentechnische Verfahren sind im ökologischen Landbau aus diesem Grund nicht erlaubt. Das Vorsorgeprinzip muss Vorrang haben, um Umwelt und Gesundheit zu schützen. Gentechnik ist weiter eine Risikotechnologie. Die neusten Versprechungen sollten uns nur hellhöriger werden lassen. Technologiefolgeabschätzung ist nicht nur ein Begriff für Experten. Daher müssen gentechnisch veränderte Organismen in der EU ein spezielles Zulassungsverfahren durchlaufen. Allerdings ist die Lobby der industriellen Agrarproduktion sehr wirkungsmächtig. Wir sollten auf der Hut sein.

Georg Lutz ist Politologe und Journalist. Mit den neueren Werkzeugen der Gentechnologie beschäftigt er sich immer wieder seit der Bastler Craig Venter sich schon vor Jahren rühmte als erster künstliches Leben geschaffen zu haben.

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Freitag, den 05.01.18 |

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