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Die Biobranche im Umbruch - Thesen zur BIOFACH 2018

Die BIOFACH ist ein jährliches Spiegelbild der Bio-Branche. Jeder kann sich dabei seine zentralen Botschaften heraus picken. Diese sind allerdings sehr oft von Interessen geleitet. Es ist nachvollziehbar, dass ein Messeveranstalter sein Produkt über den grünen Bio-Klee loben muss: "Beste Stimmung bei 3.218 Ausstellern und rund 50.000 Besuchern." Auch stimmen die Branchenverbände das hohe Lied der Euphorie an.Wer beispielsweise die Verlautbarungen des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und seiner Studie "Zahlen Daten Fakten Die Bio-Branche 2018" liest befindet sich im Wirtschaftswunderland, was die Bio-Branche betrifft. Schon die Überschriften sprechen Klartext. "Europäischer Bio-Markt erneut zweistellig gewachsen" oder "Deutscher Bio-Markt knackt die 10 Milliarden Euro Marke".

Ja, das ist alles richtig und gleichzeitig falsch. Der Bio-Markt befindet sich in einem rasanten Umwälzungsprozess. Jeder konventionelle Hersteller setzt inzwischen auf mindestens eine Bio-Linie. Damit kann man einfach bessere Margen erzielen. Zudem ist die Haifischsaison eröffnet. Die Kleinen werden von den Großen geschluckt. Dazu nur ein Beispiel. Jüngst hat der Riese Unilever den britischen Hersteller für Bio-Tees und Gesundheitspräparate Pukka Herbs Ltd. sich einverleibt. Die Verantwortlichen von beiden Seiten bemühen in den Statements leere Floskeln wie Nachhaltigkeit. Ob der niederländische Megakonzern für Konsumgüter, sich zu einem "Vorreiter für sozialen und ökologischen Wandel" entwickelt, gilt mindestens mit einem Fragezeichen zu versehen. Der Prozess der "schöpferischen Zerstörung" wie es der klassische Nationalökonom Joseph Schumpeter nannte hat unübersehbar die Bio-Branche erfasst. Die Gründergeneration, die einen kleinen Bio-Laden um die Ecke betreibt, kämpft um ihr Überleben. Bei Aldi und Lidl gibt es doch auch Bio-Produkte. Jetzt versuchen die Verantwortlichen der Bioläden noch schnell eine Online-Vermarktung mit einem Webshop aufzurichten, von der man jahrelang nichts wissen wollte. Solch ein Konzept kann aber nicht über das Knie gebrochen werden. Wir von amorebio haben hier Erfahrungen gesammelt, die nicht nur Euphorie ausgelöst haben.


Nicht nur die EU, sondern auch die klassische Biobranche selbst hat es bislang nicht verstanden bei den aufgezeigten Entwicklungen klarer Position zu beziehen. Vom starken Wachstum bei Ökoeiern profitieren in erster Linie agroindustrielle Legeeierfarmen und die meisten Bio-Äpfel stammen von Monokulturen und nicht von Steuobstwiesen. Hier gilt es auch mal Nein zu sagen. Wir von amorebio haben uns aus dem Angebot von Putenfleisch zurückgezogen, da die aktuellen Mastbedingungen unseren ethischen Normen nicht entsprechen - auch wenn Bio drauf steht.


Selbst Hersteller, die vor wenigen Jahren mit innovativen Ideen den Markt aufmischten müssen nun sich nun neu erfinden und mehr Standbeine präsentieren. Bei Kulau ist dies geglückt. Sie kamen mit Bio-Kokosöl und Bio-Kokoswasser auf den Markt. Heute bieten Sie Snacks zum Knabbern aus Algen an. Das ist ungewöhnlich, aber erfolgreich und zudem haben große Player diese Nische noch nicht entdeckt. Auf jeden Fall ist ausruhen auf jetzt gut laufenden Produkten keine Strategie für morgen. Es sind schon viele Anbieter der Gründergeneration vom Markt verschwunden.

Wir müssen auch von der Sprache her klarer Position beziehen. So spricht der Sprecher der Bürgerinitiative Landwende bewusst nicht mehr von Nachhaltigkeit, sondern von einer "enkeltauglichen Landwirtschaft", um in erster Linie die Gifte von den Feldern und Landwirtschaft zu bekommen.

Es nützt aber auch nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Viele Akteure wollen sich nur um ihren heimeligen und überschaubaren Vorgarten kümmern. Am Stand von Slow Food erlebten wir solch eine Situation. Schon die Stichworte Online und Globalisierung lösten Verkrampfungen aus. Die Vorstellung: Nur aus regionalen Produkten sich ernähren und lokale Kreisläufe unterstützen würden unsere Probleme lösen. Das Denken in Stammeskategorien ist zurück. Nein, es gilt die Bauern, ob im Emsland oder in Kamerun, im Auge zu haben und diese Punkte der Wertschöpfungskette zu unterstützen.

Georg Lutz freut sich jedes Jahr an der BIOFACH auf alte und neue Freunde und auf kontroverse Diskussionen.

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Donnerstag, den 01.03.18 |

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